Kinder- und Jugendpolitik: Gemeinsam gegen Einsamkeit

8.4.2026

Am 18. März 2026 organisierte die SAJV, in Zusammenarbeit mit der parlamentarischen Gruppe «Alter» der Pro Senectute und dem Kompetenzzentrum Leaving Care, eine weitere Sitzung ihrer interparlamentarischen Gruppe «Kinder und Jugend», an der Parlamentarier*innen aller politischen Lager sowie Experten zum Thema Einsamkeit teilnahmen. Die Sitzung war einem konstruktiven Austausch zwischen Forschung, Praxis und Politik gewidmet, um Einsamkeit in der Schweiz besser zu verstehen und dagegen vorzugehen.


Einsamkeit: Eine wachsende gesellschaftliche Herausforderung

Daniela Schuler, Projektleiterin beim Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan), erklärte zu Beginn ihres Vortrags, warum Einsamkeit ein wichtiges Thema ist. 

Einsamkeit gilt als bedeutender Gesundheitsrisikofaktor. Sie erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und sogar für einen frühzeitigen Tod – mit Folgen, die mit jenen von Tabakkonsum und Bewegungsmangel vergleichbar sind.

Einsamkeit ist besonders bei jungen Menschen besonders ausgeprägt, wobei fast 20% aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen betroffen sind. Die Auswirkungen der Einsamkeit haben sich seit der COVID-19-Pandemie verstärkt und ist auch bei Senioren weit verbreitet.

Jugendliche und Senior*innen besonders betroffen

Anschliessend stellten Prof. Dr. Daniel Süss von der Universität Zürich und Doktorandin Annika Rohrmoser von der Universität Basel die wichtigsten Ergebnisse ihrer Forschung zum Thema Einsamkeit vor.

Junge Menschen sind demnach besonders anfällig für Einsamkeit, was erhebliche psychologische Folgen nach sich zieht, die durch die übermässige Nutzung sozialer Netzwerke und das Phänomen des sozialen Vergleichs noch verstärkt werden. Obwohl junge Menschen digital vernetzt sind, verhindert dies das Gefühl der Einsamkeit nicht – ganz im Gegenteil.

Ihre Studien zeigen, dass junge Menschen trotz sozialer Netzwerke, die eigentlich für Verbundenheit sorgen sollten, besonders anfällig für das Gefühl emotionaler Einsamkeit sind. Auch Senior*innen gehören zu den sozialen Risikogruppen. Es ist entscheidend, die vielfältigen Dimensionen der Einsamkeit zu verstehen – von sozialer Einsamkeit bis hin zu emotionaler Einsamkeit – und trotz der hohen Komplexität des Themas Ansatzpunkte für die Bekämpfung definieren zu können. Dies kann durch die Ausweitung von Aktivitäten auf lokaler Ebene, die Schaffung von Beratungsstellen, aber auch durch die Verbesserung psychotherapeutischer Betreuungsangebote geschehen.

Schliesslich hob Desiree Righetti vom Verein Careleaver Schweiz die Bedeutung der Einsamkeit aus der Perspektive der Betroffenen hervor, während Sabina Steiger von der Pro Senectute Appenzell Ausserrhoden und Christine Knaus das Projekt «Lesemonitoring» vorstellten. Dank ihrer Beiträge konnten die Teilnehmenden über konkrete Umsetzungsmöglichkeiten für lokales Engagement und Projekte nachdenken.

Debatten und Beiträge der Parlamentarier*innen und Organisationen

Schliesslich endete die Veranstaltung mit einer angeregten Diskussion zwischen den zahlreichen Expert*innen, Vertretenden von Fachorganisationen sowie den anwesenden Parlamentarier*innen über Verbesserungsmöglichkeiten:

Individuelle Verantwortung vs. staatliche Verantwortung

Einsamkeit ist sowohl ein individuelles als auch ein gesellschaftliches Problem. In den Debatten wurde die Frage nach staatlichen Massnahmen zur Unterstützung von Einzelpersonen im Umgang mit Einsamkeit aufgeworfen. Die Koordination der Bemühungen auf allen Ebenen, von der kantonalen bis zur Bundesebene, wurde als unverzichtbar für eine kohärente Antwort angesehen

Schaffung nachhaltiger sozialer Strukturen

Soziale Strukturen (wie Gemeinschaftsprojekte, aufsuchende Sozialarbeit) sind entscheidend für die Umsetzung einsamer Menschen. Die Bedeutung der sozialen Infrastruktur auf lokaler Ebene wurde hervorgehoben.

Soziale Kontakte im Alltag aufrechterhalten

In der Diskussion wurden lokale Projekte wie die «Plauderklassen» angesprochen, um den Austausch zu fördern und soziale Bindungen aufrechtzuerhalten, insbesondere in einem Kontext, in dem persönliche soziale Interaktionen abnehmen. Wie können wir diese Momente des Austauschs häufiger und bedeutsamer machen und gleichzeitig unser Zeitmanagement effizienter gestalten?

Unterstützung junger Menschen durch finanzielle Mittel

Es wurde betont, dass der Zugang zu Dienstleistungen und Freizeitaktivitäten für junge Menschen finanzielle Ressourcen erfordert, sowohl auf kantonaler als auch auf Bundesebene.

Bedeutung der Früherkennung von Einsamkeit

Die Erkennung und Anzeichen von Leiden aufgrund von Isolation muss Priorität haben. Eine bessere Betreuung der Jugendlichen und die Schaffung von Begleitprogrammen können dazu beitragen, die schädlichen Auswirkungen von Einsamkeit langfristig zu verringern.

 

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